Sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes,
sehr geehrte Mitglieder des Aufsichtsrates,
sehr geehrter Mitaktionärinnen und -aktionäre,
sehr geehrte Erdzerstörer,
sehr geehrte Klimahöllenheizer,
sehr geehrte Menschenverachter,
bei der Durchsicht des Geschäftsberichtes musste ich an Grimms Märchen denken.
Der Vorstandsvorsitzende nennt hier Erneuerbare Energien und Gaskraftwerke in einem Atemzug.
Dabei weiß heute fast jedes Schulkind, – zum Beispiel durch die Sendung mit der Maus –
dass Erdöl, Erdgas und Kohle fossile Energien sind, die sich – wenn überhaupt – erst in Jahrtausenden erneuern können.
Die eigene Darstellung im Geschäftsbericht habe ich einmal der Außenwahrnehmung des Unternehmens gegenübergestellt. Dabei habe ich versucht, drei wichtige Stimmen herauszusuchen.
Am Schluss werde ich zu möglichen Handlungsfolgerungen kommen.
Damit die Quellen meiner Ausführungen direkt gefunden werden können, habe ich diese Rede hier auf meiner Homepage veröffentlicht.
- Die Langzeitwirkung der Unternehmenstätigkeit wird in einem Bild von Friederike Otto in ihrem Buch Klimaungerechtigkeit beschrieben:
„Stellen Sie sich vor, in einer Stadt, einem Land, geht ein*e Massenmörder*in, besser noch eine ganze Gang von Massenmörder*innen um und tötet Tausende Menschen. Die Killer sind weder auf der Flucht, noch verstecken sie sich, man kennt sie im Gegenteil ziemlich gut und weiß genau, wo sie wohnen. Trotzdem unternimmt niemand etwas. Gelegentlich warnt sich die Nachbarschaft untereinander, manchmal geben wir den Mörder*innen Geld, damit sie vielleicht ein paar Menschen weniger umbringen, aber alles in allem bleiben sie unbehelligt.
Dass ich mit diesem Bild nicht übertreibe, sieht man zum Beispiel daran, wie der Essener Energiekonzern RWE dafür bezahlt wird, in Deutschland ein klein bisschen weniger Braunkohle auszubuddeln, obwohl bekannt ist, dass das Verbrennen dieser Kohle viele Menschen das Leben kosten wird. RWE weiß das seit den 1960er-Jahren, genauso wie es alle politischen Entscheidungsträger wissen.
Die Frage ist also nicht nur, ob wir aus Extremereignissen etwas lernen, sondern auch, was und wie wir darüber reden. Das ist ein entscheidender Punkt.“
- Christian Stöcker hat eine weitere Perspektive der Folgen der Unternehmenstätigkeit beschrieben.
In seiner Spiegel-Kolumne: „Der Rationalist“ vom 12.10.2025 kommt er nach einer faktenbasierten Bilanz zu dem Schluss:„VDA, RWE, E.on, Friedrich Merz und Katherina Reiche versuchen derzeit gemeinsam, die fossile Vergangenheit zu retten. Das ist zum Scheitern verurteilt – und verantwortungslos.“
Bob Dylans hat schon vor Jahrzehnten in seinem Lied „The Times They Are A-Changin’“ getextet:
„Come gather ‚round, people, wherever you roam
And admit that the waters around you have grown“
Schon zu dieser Zeit ist auch von steigenden Meeresspiegeln die Rede.
In Indonesien zieht die Haupstadt aufgrund des steigenden Meeresspiegels gerade um.
Bei der gegenwärtigen Entwicklung der Rechtsprechung ist es nicht ausgeschlossen, dass RWE da schadensersatzpflichtig gemacht wird. Der peruanische Bergführer hat ja bereits vorgelegt.
Und eine dritte Perspektive auf die aktuelle Lage auf dem Energiemarkt liefert Volker Quaschning:
In einer Grafik hat er die Regenerative Stromerzeugung in Deutschland seit 1990 visualisiert:
„1990 deckten erneuerbare Energien knapp 4 % unseres Strombedarfes. Damals sagte man: Mehr als 4 % seien technisch nicht möglich. Inzwischen liefern sie rund 60 %.
Jetzt warte ich auf die Kommentare, warum 100 % nun aber wirklich unmöglich sind.“
Während meiner aktiven Zeit lernte ich folgendes Sprichwort kennen:
„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“
Ein anderer kluger Mann hat einmal gesagt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
Sehr geehrte Mitaktionärinnen und Mitaktionäre,
in dieser Situation erdreistet sich die Unternehmensführung erstmals laut Handelsblatt vom 23.02.2026, der Bundesregierung Ausschreibungsregeln vorzuschlagen, die das Ziel haben, Erneuerbare auszubremsen. Das ist jetzt der Gipfel der Verantwortungslosigkeit!
Die Verfasser des Papiers haben offenbar keine Enkel und Kinder?
Glauben Sie ernsthaft, die Nachkommen mit Bestechungsgeldern vor den Folgen der Klimakrise schützen zu können?
Der Vorstand sollte endlich Abschied vom Mythos „einer zuverlässigen Stromversorgung durch Gaskraftwerke“ nehmen.
Wie wäre es mit der Beteiligung an Pumpspeicherkraftwerken, dem Smart Meter Rollout, und der Anpassung an ein durchdachtes Strommarktdesign?
Sehr geehrte Mitaktionärinnen und Mitaktionäre,
die Pläne des Vorstandes hinsichtlich Gaskraftwerken und ihre Lobbystrategie sind verantwortungslos.
Lassen Sie die Vorstands- und die Aufsichtsratsmitglieder, die nicht aufgepasst haben, die Verantwortung für diesen Blödsinn selber übernehmen.
Lehnen Sie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat bitte ab.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

